Seline Heim möchte für die CVP den Sitz im Andwiler Gemeinderat verteidigen. Foto Belos
1/2 Seline Heim möchte für die CVP den Sitz im Andwiler Gemeinderat verteidigen. Foto Belos
Irene Räss kandidiert für die SVP für den Andwiler Gemeinderat. z.V.g.
2/2 Irene Räss kandidiert für die SVP für den Andwiler Gemeinderat. z.V.g.
09.10.2019 18:00

Andwilerinnen und Andwiler haben die Wahl

Am 20. Oktober wählt die Andwiler Stimmbürgerschaft nicht nur die kantonalen Vertreter für den National- und den Ständerat, sondern auch eine neue Gemeinderätin. Die Andwilerinnen und Andwiler haben die Wahl zwischen der SVP-Vertreterin Irene Räss und Seline Heim-Keller von der CVP, um den fünfköpfigen Gemeinderat zu komplettieren.

Gemeinderat Im März gab CVP-Gemeinderätin Yvonne Staub ihren Rücktritt per Ende Juni bekannt. Die amtierende Vizepräsidentin wurde 2012 in den Gemeinderat gewählt und stellte sich 2016 erfolgreich der Wiederwahl. Staubs Rücktritt machte für das letzte Jahr der Legislaturperiode eine Ersatzwahl nötig, in der sich am 20. Oktober Irene Räss und Seline Heim-Keller um den frei gewordenen Sitz im fünfköpfigen Gremium bewerben. Die Rolle als Vizepräsident für den Rest dieser Legislatur wurde vom Gemeinderat im Juni an Markus Wick übertragen. Bereits im Mai hatte die SVP Andwil mit Irene Räss eine Kandidatin für die Nachfolge von Yvonne Staub präsentiert. Die gelernte medizinische Praxisassistentin ist Mutter von drei Kindern und arbeitet auf dem Hof der Familie im Andwiler Weiler Hölzli. Ein politisches Amt hat die Bäuerin bisher nicht bekleidet, ganz im Gegensatz zu ihrer Berufskollegin und Gegenkandidatin Seline Heim-Keller, die anfangs Juli von der CVP Andwil einstimmig nominiert wurde, um den Sitz von Yvonne Staub für die Ortspartei zu verteidigen. Heim-Keller sitz seit 2004 im St.Galler Kantonsrat, präsidierte während drei Jahren die CVP Gossau-Arnegg und wirkte unter anderem von 2007 bis 2013 als Vizepräsidentin im St.Galler Bauernverband.

Irene Räss, weshalb haben Sie sich für eine Kandidatur entschieden?

Ich wurde zum zweiten Mal angefragt. Jetzt, da unsere drei Töchter etwas grösser sind, gibt es für mich ein gewisses Zeitfenster, das ich für unsere Gemeinde nutzen könnte. Ich befasse mich gerne mit verschiedenen Sachlagen und bin motiviert nach guten Lösungen zu suchen. In diesem Amt kann ich etwas für unsere Gemeinde und die Bevölkerung bewirken. Das motiviert mich.

In welchen Bereichen würden Sie politische Schwerpunkte setzen?

Unsere Gemeinde ist gut organisiert und strukturiert. Ein konkreter Schwerpunkt ist meines Erachtens nicht anzupacken. Ich möchte mich bei den laufenden Themen einlesen und dann dort mit einbringen. Es gibt diverse Themen, bei denen Entscheidungen anstehen. Wenn es soweit kommt, werde ich mich dort engagieren und mit vollem Tatendrang einsetzen.

Warum sollen die Andwilerinnen und Andwiler Sie wählen?

Ich stehe mit meinen 39 Jahren mitten im Leben. Ich wohne seit 20 Jahren in Andwil, bin hier gut verankert, unsere Kinder gehen hier zur Schule. Die Arbeit mit Leuten verschiedener Altersgruppen gefällt mir. Ich bin motiviert, mich für die Gemeinde zu engagieren.

Mit Seline Heim und Ihnen treten zwei Bäuerinnen zur Wahl an. Zufall?

Zufall oder auch nicht… Wir sind zwei Frauen, die sich für das politische Geschehen in der Gemeinde interessieren und sich dafür einsetzen wollen. Bei unserer Arbeit als Bäuerinnen und auch in unseren Familien werden wir tagtäglich hautnah mit der Politik konfrontiert. Das animiert mich, mich für diese Angelegenheiten einzusetzen.

Sie sind politisch unerfahren. Ihre Gegenkandidatin hat grosse Erfahrung. Wie wollen Sie das wett machen?

Es kann auch ein Vorteil sein, wenn man dieses Amt unbefangen antritt. Wir sind zwei Kandidatinnen aus verschiedenen Parteien. Mit unserem unterschiedlichen Erfahrungsschatz und der Parteizugehörigkeit bieten wir der Bevölkerung eine tatsächliche Wahl.

Am 20. Oktober sind gleichzeitig nationale Wahlen, in denen die SVP bekanntlich den höchsten Wähleranteil hat. Ein Vorteil für Sie?

Aus meiner Sicht sind Gemeinderatswahlen Personenwahlen. Aus einer Parteizugehörigkeit können die Bürger das Gedankengut einer Kandidatin ableiten. Die Einwohner von Andwil werden entscheiden.

Wie haben Sie ihren Wahlkampf bisher bestritten und stehen noch weitere Anlässe auf dem Programm?

Möglichst einfach und volksnah mit den regionalen Medien. Es gab verschiedene Zeitungsberichte und im Andwiler Gemeindeblatt wurde inseriert. Ich bin weiterhin volksnah in Andwil unterwegs.

Seline Heim, weshalb haben Sie sich für eine Kandidatur entschieden?

Ich fühle mich bereits wohl in Andwil. Als Neuzuzügerin möchte ich mich gerne im Dorf Andwil engagieren. Zu einem lebendigen Dorfleben gehören die vielen Vereine und natürlich auch die Politik. Gerade bei letzterem möchte ich mich mit meiner Erfahrung einbringen.

In welchen Bereichen würden Sie politische Schwerpunkte setzen?

Ich werde mich in der Kollegialbehörde jedem Thema stellen. Nebst der Landwirtschaft bin ich als Fachbereichsleiterin für die Ausbildung der Bäuerinnen verantwortlich. Bildung ist also auch ein Steckenpferd. Als Kantonsrätin war ich zudem in der Staatswirtschaftlichen Kommission und habe mich dort mit verschiedenen Themen auseinandersetzen dürfen. Eine weitere Schiene ist durch meinen Beruf im Teilpensum in der Sozialberatung von Familien gegeben. Sie sehen also, dass ich breit einsetzbar bin und das auch sein will.

Warum sollen die Andwilerinnen und Andwiler Sie wählen?

Ich bin motiviert, mich den vielfältigen Aufgaben als Gemeinderätin zu stellen. Als langjährige Kantonsrätin und als baldige «Altbäuerin» - unsere Tochter übernimmt den Betrieb - bringe ich den notwendigen Rucksack und die dafür notwendige Zeit mit. Als Beraterin weiss ich, wie man einen respektvollen Umgang mit Menschen pflegt. Ich bin zudem lösungsorientiert, was immer der jeweiligen Sache geschuldet ist.

Mit Ihnen und Irene Räss treten zwei Bäuerinnen zur Wahl an. Zufall?

Scheinbar sind wir Bäuerinnen besonders aktiv…. Nein, es ist tatsächlich Zufall.

Sie sind politisch sehr erfahren. Ihre Gegenkandidatin hat bisher keine politische Erfahrung. Ein grosser Vorteil?

Das ist sicher kein Nachteil. Ein gutes Beziehungsnetz auch in die kantonale Verwaltung und über die Gemeindegrenzen hinaus ist sicher mein Vorteil, wenn es gilt, Andwiler Interessen zu vertreten.

Am 20. Oktober sind gleichzeitig nationale Wahlen, in denen die SVP bekanntlich den höchsten Wähleranteil hat. Ein Nachteil für Sie?

So wie ich die Andwilerinnen und Andwiler bis heute kennen und schätzen gelernt habe, können diese sehr wohl zwischen nationalen und kommunalen Wahlen unterscheiden, zumal es in der Gemeinde wenig um parteipolitische Themen gehen wird.

Wie haben Sie ihren Wahlkampf bisher bestritten und stehen noch weitere Anlässe auf dem Programm?

Einen eigentlichen Wahlkampf gibt es nicht. In den Medien wurde der «Wahlkampf» thematisiert. Ansonsten ist er eher ruhig verlaufen und beschränkt sich auf Inserate im Mitteilungsblatt und viele persönliche, sehr positive Begegnungen im Dorf. Für diese aufmunternden Worte danke ich schon heute.

Von Tobias Baumann