30.10.2019 00:00

Laien als wahre Bühnenprofis

Andwils Theaterverein «Thearteria» überzeugte bei der Premiere der englischen Krimiproduktion 'Das Revival' von James Cawood auf der ganzen Linie. Im Stück bereitet sich ein Theaterensemble auf seine Auftritte vor - immer wieder gestört durch gruselige Ereignisse bis zu einem tragischen Ende. Doch nach diesem Ende folgt erst der überraschende Schlusspunkt der Produktion.

Ebnet Gleich zu Beginn zucken die Zuschauerinnen und Zuschauer ein erstes Mal zusammen, als die Akteure der Thearteria eben erst die Bühne betreten haben, um das Gruselstück 'Das Revival' von James Cawood aufzuführen. Es passt zum Stück, dass es mit einem Schreckmoment beginnt, liegt doch während grossen Teilen der Produktion viel Spannung in der Luft. Dazu tragen neben der Handlung des verworrenen Geisterstückes auch die Darstellerinnen und Darsteller bei, die ihre Rollen teilweise herausragend besetzen. Wie es beispielsweise Michelle Koch schafft, als Sophie Essenheimer schwäbischen Dialekt zu sprechen, um in deren Theaterrolle der Betsy Grey auf reines Hochdeutsch zu wechseln, während ihr der Dialekt immer wieder in die Quere kommt, ist genauso beeindruckend wie ihre weinenden und schreienden Auftritte. Oder wie Petra Fürer die leicht abgehobene und arrogante Schauspielerin Diana South mimt, die wiederum als «Vollprofi» eine extrem überzeugende Zelma van Tanzen gibt. Auch wenn das Hochdeutsch nicht bei allen Akteuren gleich rein daherkommt, überzeugt das Ensemble als Ganzes.

Ein verfluchtes Stück

Dabei spielen verschiedene Darstellerinnen und Darsteller gleich zwei Rollen, nämlich jene der Schauspieler, die ein Stück einstudieren sowie eben deren Theaterpart. So wechselt die Szenerie immer wieder zwischen den Welten der Probe und dem seit Jahren verschollenen und nun vom Regisseur wiederentdeckten, aber verfluchten Stück «Scared to Death» hin und her, was die Produktion für den Zuschauer anspruchsvoll, aber auch spannend macht. Eine klingende Geisterglocke, eindringliche Warnungen eines Theaterhistorikers und Licht- und Knalleffekte tragen ihren Teil zur Spannung bei, die mit den Auftritten des Geistes, bei dem die Maske ganze Arbeit geleistet hat, ihren Höhepunkt erreicht. Was gehört noch zum Theaterstück und was zur Realität? Die verworrene Geschichte bringt so manche Pointe mit sich. Dabei denkt man lange das Ende zu kennen, was auf das Stück im Stück schliesslich auch zutrifft, aber definitiv nicht auf das Ende der Gruselproduktion.

Spannend und witzig

Der Begriff des Laientheaters wird dieser Produktion auf jeden Fall nicht gerecht, auch wenn sich dieser nur darauf bezieht, dass die Akteure das Theaterspiel in ihrer Freizeit betreiben. Berufsregisseur Christan Fink, der immer wieder auch mit Amateuren arbeitet und zum wiederholten Mal in der Thearteria Regie führte, ist es gelungen, eine spannende und witzige deutsche Uraufführung des Gruselstückes zu inszenieren. Das Publikum würdigte den überzeugenden Auftritt mit langanhaltendem Applaus. Einziger Wermutstropfen bei der Premiere waren die drei frei gebliebenen Sitzreihen, wobei Marcel Sieber, Präsident der Thearteria, in seiner Rolle als Regisseur Michael Prentice von einer Auslastung von über 70 Prozent nur träumen könnte - zumindest scheinbar...

Von Tobias Baumann