Camping in Norwegen: "Hier gibt es jeden Tag mehrere perfekte Postkartenmotive", erklärt Martin Ruggle. z.V.g.
1/2 Camping in Norwegen: "Hier gibt es jeden Tag mehrere perfekte Postkartenmotive", erklärt Martin Ruggle. z.V.g.
Martin Ruggle am obligaten Fotostandort am Nordkapp. z.V.g.
2/2 Martin Ruggle am obligaten Fotostandort am Nordkapp. z.V.g.
11.09.2019 05:10

Noch 80 Tage bis Gossau

Rund 3'500 bis 4'000 Kilometer hat Martin Ruggle mit dem Velo noch vor sich, bis er am 23. November von seiner Weltreise nach Gossau zurückkehrt. Angesichts der über 50'000 Kilometer, die Ruggle in den letzten 40 Monaten bereits hinter sich gebracht hat, befindet er sich sozusagen im Schlussspurt, auch wenn er aktuell noch in Finnland weilt.

Weltreise Die baltischen Staaten, Weissrussland, Ukraine, Slowakei, Österreich, Slowenien und Italien skizziert Martin Ruggle grob seinen Fahrplan für die nächsten zweieinhalb Monate, während er sich in einem Hotelzimmer in Helsinki von den letzten Strapazen erholt. Die abenteuerliche Weltreise mit dem Velo, zu der Ruggle am 21. Mai 2016 aufgebrochen ist, führte den Gossauer zuletzt ans Nordkap und damit an den nördlichsten Punkt von Europa. «Es war saukalt bei null Grad in der Nacht und eisigen Winden», erzählt der Abenteurer. «Trotz der schönen Landschaft mit den vielen Klippen ist es aufgrund des eisigen Windes kein Ort, an dem man mit dem Velo lange bleiben möchte!» Doch er habe am Nordkap erstaunlich viele Radfahrer getroffen, wohl auch weil gerade ein Rennen von Italien ans Kap stattgefunden habe. «Ausserdem ist der nördlichste Punkt in Europa natürlich ein Anziehungspunkt für viele Reisende», erzählt Ruggle. Die Natur sei wahnsinnig schön: «Auf dem Weg durch Norwegen bieten sich mehrmals täglich perfekte Postkartenmotive!» Dass die Sonne im Hochsommer nie unter gehe, sei allerdings gewöhnungsbedürftig. «Wenn man mitten in der Nacht erwacht und die Sonne scheint, ist das schon ein schräges Gefühl. Auf den Campingplätzen sollte man sich einen Platz im Schatten suchen. Dazu eine Schlafmaske anziehen, dann findet man trotz Helligkeit seinen Schlaf», erzählt der Gossauer.

Über 50 Länder bereist

Aktuell legt Ruggle im Schnitt 80 Kilometer pro Tag zurück. Wenn er Ende November in Gossau eintrifft, wird er über 50 Länder bereist haben. Für die Rückkehr hat Ruggle mit dem 23. November ein genaues Datum festgelegt. «Am 21. November werde ich genau dreieinhalb Jahre unterwegs gewesen sein. Aber das ist ein Donnerstag und da ein Fest für den Tag meiner Rückkehr geplant ist, möchte ich an einem Samstag ankommen», lacht Ruggle, der ursprünglich einmal davon ausging, zwischen zwölf und 18 Monaten unterwegs zu sein. Zum Schluss der Reise wird Ruggle noch ein Anstieg über den Gotthard bevorstehen. Wer sich aus den Anden Fahrten über 5000er-Berge gewohnt ist, den kann dieser Pass allerdings kaum mehr erschrecken. «Ich hoffe, es hat dann noch nicht zu viel Schnee, damit ich gut durchkomme», so Ruggle. Zeitlich sollte die bevorstehende Strecke in den rund zweieinhalb Monaten gut zurückzulegen sein, ist Ruggle überzeugt: «Diesbezüglich bin ich auf der sicheren Seite. Es liegt auch noch ein Ausflug von drei bis vier Tagen drin, während denen ich nicht aufs Velo steige.»

Vorfreude auf das Wiedersehen

Auf das Fest mit Familie und Freunden freue er sich enorm. «Das wird megacool», so der Weltreisende, der in den über drei Jahren kein einziges Mal nach Hause zurückkehrte. «Meine Mutter habe ich einmal in Frankreich getroffen. Verschiedene Freunde haben mich während der Reise in unterschiedlichen Ländern besucht und einen Kollegen habe ich zufälligerweise während seinen Flitterwochen in Vancouver angetroffen», erzählt Ruggle. Neben dem Wiedersehen freue er sich auch auf das schweizerische Essen. «Endlich wieder einmal guten Käse zu essen. Darauf freue ich mich enorm», lacht Ruggle. Wobei er zuletzt in Europa schon wieder mehr gegessen habe als noch in Südamerika. «Hier gibt es in den Supermärkten wieder lauter Produkte, die man aus der Kindheit kennt. Entsprechend gönnt man sich mal das eine oder andere mehr», erzählt Ruggle. Da er täglich mehrere Stunden Fahrrad fährt, kann sich das Ruggle problemlos leisten: «Ich bin rund 15 Kilo leichter als bei meiner Abreise, wobei ich schon lange nicht mehr auf einer Waage gestanden bin.»  

Langsam ankommen

Dass die Wiedereingliederung in den Alltag nach dreieinhalb Jahren auf Reisen nicht einfach wird, ist sich der Gossauer voll bewusst. «Ich habe mich mit mehreren Langzeitreisenden darüber unterhalten, wie sie die Rückkehr erlebten. Jene, die sofort zurück in ihren früheren Alltag wollten, kamen überhaupt nicht mehr klar», erzählt Ruggle. Aktuell sehe sein Plan vor, über den Winter in einem Teilzeitpensum bei einer Bergbahn zu arbeiten. «So wäre ich viel in der Natur, könnte langsam ankommen und am geplanten Buch über die Reise schreiben», blickt Ruggle voraus. Im Frühling des nächsten Jahres möchte er eine Vortagsreihe mit Videos und Bildern von seiner Reise durchführen und den Leuten von seinen Abenteuern aus dreieinhalb Jahren und über 50 Ländern erzählen.  

Von Tobias Baumann