30.10.2019 00:00

Burnout gilt heute als salonfähige Depression

Am Samstag, 9. November, um 9.15 Uhr, zeigt die Vereinigung Angehöriger psychisch Kranker (VASK) anlässlich des Angehörigentags den Film «Ich sehe was, was du nicht siehst - Burnout - Depression» im Cinétreff in Herisau. Anschliessend findet eine Podiumsdiskussion mit Betroffenen und Fachpersonen statt.

Depression «Jeder dritte Mensch in Europa ist mindestens einmal in seinem Leben von einer Depression betroffen», erklärt Reto Frei, der im Vorstand der Vereinigung Angehöriger psychisch Kranker (VASK) Sektion Ostschweiz ist. Unter den Begriff Depression fällt für ihn auch das Burnout. «Es scheint, als würde das Krankheitsbild, das als Burnout bezeichnet wird, eher akzeptiert als eine Depression», erklärt Frei. «Für ein Burnout muss man ja gearbeitet haben. Mit einer Depression kann man auch faul gewesen sein», ergänzt er mit einem sarkastischen Unterton. Dass diese Meinung in den Köpfen der Bevölkerung verankert ist, ist eines Vorurteile, das die VASK bekämpfen will.

Die Vereinigung will die Sensibilität unter den Mitmenschen gegenüber dem Krankheitsbild Depression erhöhen.

Selbsthilfe für Angehörige

Mit dem Film «Ich sehe was, was du nicht siehst - Burnout - Depression» verfolgt der Regisseur Tino Wohlwend das gleiche Ziel. In seinem rund 100 Minuten langen Film erzählen Fachleute, aber auch Betroffene davon, wie schwierig es sein kann, mit der Krankheit umzugehen. Einige Szenen werden durch eine Theatergruppe veranschaulicht. «Oftmals werden Betroffene zu spät oder falsch behandelt. Schlimmstenfalls werden ihre psychischen Probleme gar nicht als solche wahrgenommen, sondern einfach als 'schlechte Laune' abgetan», erklärt Frei einen Teil der Problematik rund um Depressionen. In den Selbsthilfegruppentreffen, die regelmässig von der VASK durchgeführt werden, fänden Angehörige psychisch Kranker Hilfe. In den Selbsthilfegruppen sind auch Fachpersonen anwesend, welche ihre Erfahrungen teilen. «Die Angehörigen und die Erkrankten haben etwas gemeinsam. Beide wollen verstanden werden. Über ein Problem zu sprechen, hat immer einen positiven Einfluss», so Frei. Er selbst schützt sich gegen Burnout und Depressionen, indem er sich seiner Frau anvertraut, sich klare Freizeiten schafft und regelmässig an seinem Kraftort seine Batterien auflädt. «Heutzutage steht man vor allem im Berufsleben unter enormem Druck. Man hat das Gefühl, wenn man nur eine E-Mail oder ein SMS verpasst und nicht sofort antwortet, könne das einen den Job kosten. Dabei ist es wichtig, auch mal nicht erreichbar zu sein und einfach nur auf sich zu achten», so Frei.

Burnout und Depressionen werden aber nicht nur bei Kaderangestellten festgestellt und behandelt. Auch Kleinkinder, Schülerinnen und Schüler und Hausfrauen können von der Krankheit betroffen sein.

Im Film von Tino Wohlwend, der 2013 gedreht wurde, warnt dieser, dass Depressionen bereits 2020 neben Herzerkrankungen die häufigste Todesursache weltweit sein könnten.

Gesellschaftliche Akzeptanz schaffen

Eines der grossen Probleme ist, das nicht über die Krankheit gesprochen wird. Das wird nicht nur im Film immer wieder klar, sondern auch von Reto Frei so erklärt. «Erzählt man, dass man selbst oder ein Angehöriger von einer Depression betroffen ist, erhält man meist eine abwimmelnde Antwort. Die Leute wollen sich einfach nicht mit dem Thema auseinandersetzen. Hinzu kommt, dass man mit einer Depression schnell als Versager oder Taugenichts abgestempelt wird. Das ist schlichtweg falsch», so das Vorstandsmitglied der VASK Ostschweiz.

Mit dem Anlass am Samstag, 9. November will der Verein gegen diese Vorurteile vorgehen. Anschliessend an den Film gibt es beim von Roger Fuchs moderierten Podium die Möglichkeit, mehr von direkt von Burnout und Depressionen Betroffenen sowie Angehörigen zu erfahren. Auch Fachpersonen, wie die Ärztin Christine Poppe von der psychiatrischen Klinik Herisau werden anwesend sein. Regierungsrat Yves Noël Balmer wird eine Begrüssungsrede halten. Die Teilnahme am Anlass ist gratis und die Anwesenden werden mit einem Apéro riche verpflegt. Der Trailer zum Film «Ich sehe was, was du nicht siehst - Burnout - Depression» findet sich auf www.herisauer-nachrichten.ch. Alle Informationen sowie die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme sind unter www.vaskostschweiz.ch ersichtlich.

Von Ramona Koller