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22.08.2019 11:34

«Ein bisschen Akzeptanz wäre toll»

Am Sonntag, 22. September, feiert «Nutshot» Premiere in Herisau. Dabei handelt es sich um den ersten Schweizer Zombiefilm. Der Herisauer Philipp Eugster ist einer der Mitwirkenden im Film, der sich an ein kleines Zielpublikum richtet. Bereits jetzt sorgt der Streifen, in dem nicht mit Blut und abgedrehtem Humor gegeizt wird, für Gesprächsstoff und besorgte Eltern.

«Nutshot»«Sorry, aber das soll schön sein? Kinder haben danach Albträume!» lautet ein Kommentar zu einem Artikel über die anstehende Premiere des Schweizer Zombiefilms «Nutshot». Im Film gibt es einige wüste Szenen die Blut und Fäkalien enthalten. Natürlich handelt es sich dabei um Kunstblut und Nutella. «Wir wissen, dass der Film wahrscheinlich nur wenige ansprechen und begeistern wird», erklärt Philipp Eugster, alias Don Philippo, der in «Nutshot» einen Zombie spielt. Auf die Reaktionen zum Film und zur anstehenden Premiere am 22. September im Cinétreff in Herisau reagiert er gelassen, wenn auch ein wenig enttäuscht. «Die Genres rund um Horror und Splatter treffen bei den 'normalen' Menschen oft auf Ablehnung. Daran habe ich mich längst gewöhnt. Hierbei handelt es sich aber um unser Hobby. Da wünsche ich mir schon ein wenig mehr Akzeptanz.» Vor vier Jahren begann das Filmteam rund um den Skandalregisseur Heiko Muus (die Wiedergabe eines seiner früheren Werke, Projekt Fleisch, ist in der Schweiz verboten) mit den Dreharbeiten für «Nutshot». Im Film geht es um zwei Antihelden, gespielt von «Kuster» und Heiko Muus, die bei einer Waffenübergabe mit Zombies konfrontiert werden. Dabei fliesst und spritzt einiges an Kunstblut. Wie im Trailer zu sehen ist, explodieren auch ganze Personen. Don Philippo hat dabei einiges über Spezialeffekte gelernt. «Ein für Filme ausgebildeter, offizieller Sprengmeister war einen halben Tag mit der Verkabelung beschäftigt bevor wir den Dummy in die Luft jagen konnten. Auch 50 Meter entfernt war die Explosion noch sehr laut.» Eklig findet der Herisauer fast nichts mehr. «Natürlich bin ich filmtechnisch durch meine Vorliebe für Horror- und Splatterfilme abgestumpft. In der Realität sieht das ganze aber anders aus.» Zum einen verabscheue er jegliche Gewalt gegen Mensch und Tier und zum anderen habe er während den Dreharbeiten eine «speziell bissige» Erfahrung gemacht. «Ich hatte lebendige Maden am ganzen Körper», sagt Don Philippo. Die fertigen Szenen im Film hätten aber gezeigt: es hat sich gelohnt.

Premiere von Freaks für Freaks

Am 22. September, ab 20 Uhr, Türöffnung um 19.30 Uhr, wird der Film im Cinétreff Herisau gezeigt. Michael Hefti, Geschäftsführer, stellt den Saal gratis zur Verfügung. «Er war von Anfang an interessiert am Projekt. Es ist schön, dass wir so unterstützt werden», erklärt Don Philippo. Vom Film dürfe man nicht zu viel erwarten. Finanziert wurde er durch Heiko Muus' privates Vermögen sowie ein Crowdfunding. «Er ist professioneller als unsere bisherigen Werke, dennoch sind wir keine Profis sondern leidenschaftliche Hobbyfilmer und -darsteller», so der Herisauer. Wer eine grosse Story erwartet dürfte wohl enttäuscht werden. «Wer sich aber über abgetrennte Körperteile und derben Humor auf der Leinwand freut, der dürfte gut unterhalten sein.»

Die negativen Kommentare rücken bei der Vorfreude auf die Premiere fast in den Hintergrund. «Wir zwingen aber klar niemanden dazu, sich den Streifen anzuschauen. Auch meine Töchter, vier und sechs Jahre alt, werden den Film nicht zu sehen bekommen», so Don Philippo.

Bei der Premiere am Sonntag ist der Kios im Cinétreff geöffnet. Alkohol wird aber nicht ausgeschenkt. «In Absprache mit Michael Hefti empfehlen wir, zu Hause vorzutrinken oder eigene Spirituosen mitzubringen. Der Film dürfte mit Alkohol eindeutig leichter zu ertragen sein», sagt Don Philippo und lacht. Eine Reservation für die Premiere ist nicht möglich, der Eintritt ist frei.

Von Ramona Koller