Der Vorstand des Forums Palliativ Care AR Hinterland : Hinten v.l.: Lilian De Casai, Claudia Brunner, Dr.Peter Wild, Astrid Graf, Annekäthi Daberkow, Philipp Langenegger und Silvia Hablützel. Vorne v.l.: Angela Koller, Conny Müller (Vertretung von Peter Will), Iris Schmid Hochreutener und Roswitha Fässler  z.V.g.
1/1 Der Vorstand des Forums Palliativ Care AR Hinterland : Hinten v.l.: Lilian De Casai, Claudia Brunner, Dr.Peter Wild, Astrid Graf, Annekäthi Daberkow, Philipp Langenegger und Silvia Hablützel. Vorne v.l.: Angela Koller, Conny Müller (Vertretung von Peter Will), Iris Schmid Hochreutener und Roswitha Fässler z.V.g.
12.11.2019 02:45

Mit Würde begleiten, bis zuletzt

Am Samstag, 16. November, findet ein öffentlicher Filmabend des Forums «Palliative Care AR Hinterland» statt. Der Abend mit anschliessender Diskussion ist Auftaktveranstaltung des neu gegründeten Forums. Annekäthi Daberkow erklärt im Interview, wieso die palliative Pflege nicht nur für Todkranke wichtig ist und womit wir uns bereits in der Mitte des Lebens befassen sollten.

Forum Palliativ Care Annekäthi Daberkow ist Leiterin einer Pflegeabteilung im Spital Herisau und vertritt dasselbe als eines der zwölf Vorstandsmitglieder im Forum «Palliativ Care AR Hinterland». Weitere Player im Forum sind die Spitex, Hausärzte, die Kirche, die Sozialarbeit, die Pro Senectute, die Psychiatrie und auch Freiwillige.

Annekäthi Daberkow, wieso wurde das Forum Palliativ Care AR Hinterland gegründet und worin liegen Ihre Aufgaben?

Im Vorderland und in Teufen gibt es schon einige Jahre ein funktionierendes Forum. Nur das Hinterland wurde bisher nicht abgedeckt. Wir möchten die palliative Pflege

Mit der Umsetzung der Nationalen Strategie Palliative Care will der Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden die bestehenden Angebote weiter entwickeln und dafür sorgen, dass im ganzen Kantonsgebiet eine bedarfsgerechte palliative Versorgung im Gesundheits- und Sozialwesen gewährleistet ist und alle Schwerkranken Zugang zu Palliative Care finden.

Wie machen Sie das konkret?

Bisher war es so, dass den Beanspruchenden von palliativer Pflege oft von jeder Stelle, beispielsweise vom Hausarzt und dem Spital, der Spitex und beispielsweise von der Psychiatrie, die gleichen Fragen gestellt wurden und sie verschiedene Dokumente erhalten. Durch das Forum sollen die Patientinnen und Patienten nur noch einmal gefragt werden und anschliessend ihre Dokumente von Stelle zu Stelle mitnehmen können. Eine palliative Betreuung benötigt verschiedene Teamplayer und nicht jedes Mal sind es die gleichen. Das Forum will die Zusammenarbeit unterstützen, damit das bestmögliche Angebot für den Betroffenen erstellt werden kann.

Wie unmittelbar vor dem Ableben wird mit der palliativen Pflege begonnen?

Das kann man natürlich nicht verallgemeinern. Palliative Pflege kommt immer dann zum Einsatz, wenn eine Krankheit nicht heilbar ist. Wenn man von Palliative Care spricht, heisst das nicht, dass man gleich stirbt. Palliative Care heisst, dem Patienten oder der Patientin die verbleibende Zeit so angenehm und würdevoll wie möglich zu gestalten, egal, wie lange er noch leben wird. Im Rahmen des Programms kann beispielsweise auch eine Bestrahlung oder eine Chemo zum Einsatz kommen. Palliative Care heisst nicht, dass man nichts mehr macht, sondern dass der Patienten alles erfährt, um sein Leiden gelindert zu bekommen und möglichst schmerzfrei und mit Würde seine letzte Zeit gestalten kann.

Im Januar haben sich die Mitglieder des Forums bei einem Infoanlass gefunden. Wie ist das Forum seither vorgegangen?

Seit dem 18. Januar 2018, als der Kanton seine Veranstaltung hatte, haben wir mit Unterstützung von Palliative Ostschweiz unser Forum aufgebaut und freuen uns nun, mit dem Anlass vom 16.November in der Stuhlfabrik unseren ersten öffentlichen Anlass zu haben. Wir möchten im Hinterland wahrgenommen werden, die Menschen über das Thema Palliative Care informieren und sensibilisieren. Das Netzwerk soll dazu dienen, dass eine Begleitung und Betreuung der Betroffenen einfach zu gewährleisten ist.

Im Spital hatten wir unterdessen schon einige «runde Tische», wo wir mit Patient und Angehörigen zusammen sassen und diverse andere Netzwerkpartner dabei waren, wie z.B. die Spitex, der Sozialdienst, die Einsatzleitung der Freiwilligen, etc. Das waren tolle Erlebnisse und von meinen Kollegen weiss ich, dass dies bei allen anderen auch so funktioniert.

Was machen Sie, wenn eine schwerkranke Person ihre Wünsche nicht mehr äussern kann?

Dann versuchen wir im Gespräch mit den Angehörigen, die Informationen zu bekommen. Genau deshalb ist es aber wichtig, sich auf einen solchen Fall vorzubereiten. Natürlich setzt sich niemand gerne mit dem Thema Tod auseinander - er gehört aber zum Leben und ist unausweichlich. Wenn es sich herausstellt, dass eine Patientin oder ein Patient palliative Pflege beanspruchen wird, nutzen wir ein Assessement, in dem alles festgehalten wird, was für die weitere Pflege wichtig ist. Das können auch scheinbar unwichtige Dinge wie zum Beispiel die Zahnpflegeroutine oder die Lieblingsmusik, die am Bett gespielt werden soll, sein. Wichtig ist uns, dass jeder Mensch seine ganz persönlichen Wünsche klar äussern kann, damit seine Selbstbestimmung bis am Schluss erhalten bleibt.

Sie scheinen einen sehr offenen Umgang mit dem Thema Tod zu haben. Sind Sie auf Ihr Ableben vorbereitet?

Ja, obwohl ich sehr gerne lebe und sehr glücklich bin. Ich habe aber entsprechende Dokumente auf meinem Computer. Ich wurde bereits früh mit Todesfällen in meiner Familie konfrontiert und baute auch dadurch ein gesundes Verhältnis zum Thema auf. Mein Vater beispielsweise konnte in seinem Bett in unserer Stube von uns gehen, während die ganze Familie um ihn versammelt war. In seinem Fall konnten wir ihn, auch dank meiner Ausbildung, gut zu Hause pflegen und ihm ein schönes Ableben ermöglichen. Wenn jemand dazu nicht in der Lage ist, was der Normalfall sein dürfte, helfen wir vom Forum Palliative Care AR Hinterland dabei, alle nötigen Player an einen Tisch zu bringen, um dem Sterbenden seine Wünsche zu erfüllen und die Angehörigen zu unterstützen.

Interview: Ramona Koller