Stephan Künzler betreibt die erste Fahrschule mit einem Tesla Modell 3 in der Ostschweiz.  Tobias Mohl
1/2 Stephan Künzler betreibt die erste Fahrschule mit einem Tesla Modell 3 in der Ostschweiz. Tobias Mohl
Das Tablet ersetzt Anzeigen wie den Tacho und Knöpfe am Armaturenbrett. Tobias Mohl
2/2 Das Tablet ersetzt Anzeigen wie den Tacho und Knöpfe am Armaturenbrett. Tobias Mohl
12.11.2019 05:00

Nicht nur das Fahren, sondern auch etwas über künftige Autos lernen

Stephan Künzlers Fahrschüler lernen in seinem Golf 6 das Autofahren. Ihre letzten Fahrstunden sowie die Fahrprüfung absolvieren sie allerdings in einem Auto, in dem man zweifelt, ob man überhaupt noch fahren können muss - dem Tesla Modell 3. Der Teufner ist der erste Fahrlehrer in der Ostschweiz, der mit einem Tesla unterrichtet.

Fahrschule Künzler Seit einem Monat nennt Stephan Künzler einen ganz speziellen Tesla Modell 3 sein Eigen. Er hat das neuste Modell der Tesla-Familie nämlich zu einem Fahrschul-Auto umbauen lassen. Während die zusätzlichen Spiegel kein Problem waren, war der Einbau der Pedale auf der Beifahrerseite eher kompliziert. Die beiden Akkus des Telsa 3 erstrecken sich nämlich über die ganze Fläche des Autobodens. Nicht nur wegen der Grösse des Akkus im Vergleich zum Gehäuse drängt sich der Vergleich zwischen dem Tesla und dem Smartphone auf. Auch die Funktionen des Autos sind teilweise sehr nützlich, während andere reine Spielereien sind. «Die Amis brauchen natürlich einen Santa-Modus», erklärt Künzler, bevor er auf dem grossen Tablet, das im Auto sämtliche Knöpfe auf dem Armaturenbrett ersetzt, den Santa-Modus aktiviert. Betätigt man nun den Blinker, erklingen die Glocken, die man vom Schlitten des Samichlauses kennt. Auch das Fahrzeug, das man während der Fahrt permanent auf dem Tablet beobachten kann, ist nun in Schlittenoptik dargestellt.

Selbstfahrende Autos werden greifbar

Zurück im normalen Modus fahren wir mit dem Tesla los. Auf dem Display zeigt es uns nicht nur Fussgänger und Hindernisse am Strassenrand, sondern auch andere Autos an. Die hellen sind weiss, die dunkeln schwarz. «Das Auto hat rundherum Kameras, die ständig alles wahrnehmen und es an den Bordcomputer senden», erklärt Künzler begeistert von seiner neuen Anschaffung. Doch ist das Auto ein reines Statussymbol? «Definitiv nicht», stellt der Fahrlehrer klar: «ich hatte noch nie ein Fahrzeug als Statussymbol. Der Tesla zeigt einfach eindrücklich auf, was bereits heute in der Mobiliät möglich ist und lässt auch erahnen, wohin die Reise geht. Nämlich in Richtung selbstfahrende Autos.» Das wird auch klar, als wir den Autopilot aktivieren. Das Fahrzeug hält nun selbständig die Spur durch Scanen der Strassenmarkierung und auch den vorprogrammierten Abstand zum vorderen Fahrzeug hält es automatisch bei. Alles was der Fahrer noch tun muss, ist ab und an eine leichte Bewegung am Lenkrad, um dem Auto zu zeigen, dass noch jemand am Steuer sitzt. «Macht man zu lange nichts, stellt das Auto auf den Notfallmodus um. Es setzt den Blinker, fährt rechts ran und aktiviert den Pannenblinker», erklärt Künzler. Dass das Auto das auf jeden Fall kann, merkt man beim automatischen Spurwechsel dank Autopilot oder beim automatischen Einparken, bei dem man im Gegensatz zu andern Marken beim Tesla nicht einmal Gas geben oder bremsen muss. Zugegebenermassen wird einem etwas mulmig zumute, wenn man auf dem Fahrersitz ist und die Pedale, das Lenkrad und das Auto sich selbst bewegen. Doch wenn das Auto alles von selber kann und der Trend in diese Richtung geht - muss man dann überhaupt noch Autofahren lernen? «Das ist unausweichlich. Deshalb beginnt bei mir auch jede Fahrschülerin und jeder Fahrschüler in meinem Diesel Golf 6. Erst gegen Schluss wechseln wir auf den Tesla, damit sie auch sehen, was Autos in Zukunft alles können werden. Sie sehen aber auch, was passieren würde, wenn die Assistenzsysteme versagen.»

Der Umweltgedanke ist da, aber nicht im Vordergrund

Wenn Künzler als zweites Fahrschulauto einen Diesel unterhält, wird der Umweltgedanke beim Tesla keine so grosse Rolle gespielt haben, könnte man jetzt denken. «Seien wir ehrlich. Elektroautos sind in der Herstellung umweltschädlich.» Es gehe ihm bei seinen Autos auch nicht in erster Linie um den Umweltschutz, obwohl es natürlich schön sei, dass der Tesla mit Strom statt Benzin oder Diesel läuft. «Dennoch. Mit dem Elektroauto sorge ich für weniger Geruchs-, Abgas- und Lärmemissionen in der Stadt. Um die 20 Fahrschüler lernen tagtäglich an der Schneebergstrasse in St.Gallen seitwärts parkieren. Die Anwohner haben ständig den Lärm und die Abgase. Mit meinem Tesla kann ich stundenlang parkieren üben, ohne dass es jemanden stört.» Zwischen 100 und 200 Fahrschüler sind jeweils für eine Stunde in St.Gallen unterwegs. «Die Fahrlehrer aller umliegenden Gemeinden bringen ihre Fahrschüler und somit Emissionen nach St.Gallen. Da will ich wenigstens mit gutem Beispiel vorangehen», so Künzler. Der Hauptgrund für seine wohl überlegte Anschaffung sei aber der Wegfall des Codes 78 (Nur Fahrzeuge mit Automatikgetriebe). Dadurch können alle die Fahrprüfung mit einem Automaten absolvieren und anschliessend dennoch Fahrzeuge mit einem Schaltgetriebe fahren. «Wer denkt, nur auf einem Automaten zu lernen sei einfacher, täuscht sich aber. Auch da muss man viel lernen. Beispielsweise die Kraftverteilung, wenn man das Gaspedal antippt.» Doch ist, wenn wir gerade von Kraft reden, ein Tesla mit umgerechnet etwa 500 PS nicht viel zu stark für Fahrschüler? «Ich habe die Leistung, wenn ich nicht selbst am Steuer sitze, halbiert», erklärt Künzler, bevor er die volle Leistung freischaltet. Tatsächlich, ist das Gaspedal einmal runtergedrückt macht der Tesla einen Schub nach vorne - kraftvoll aber dennoch sanft. «Das ist halt der Nebeneffekt einer so grossen Batterie. Der eigentliche Vorteil ist aber die Reichweite. Ungefähr 350 Kilometer weit komme ich mit einer Ladung. Mit den Fastcharger Ladestationen ist der Akku künftig in 10 Minuten voll.» Künftig weil das Update noch aussteht. «Der Tesla wurde mir von einem Programmierer verkauft und nicht von einem Autoverkäufer. Deshalb konnte ich mich auch als Automechaniker, der eigentlich mehr auf mechanische Sachen steht, so für das Elektroauto begeistern», so Künzler. In den kommenden Jahren sollen zahlreiche Updates für das Auto auf den Markt kommen. Bereits jetzt kann man es in den USA über das Handy herbeirufen. In der Schweiz ist das noch verboten, könnte aber in Zukunft möglich sein. «Ich bringe mit diesem Auto meinen Schülerinnen und Schülern nicht nur das Fahren bei, sondern nehme auch noch einen Bildungsauftrag wahr indem ich ihnen zeige, was das Auto von morgen alles können wird», erklärt Stephan Künzler.

Weitere Infos:

www.fahrschule-kuenzler.ch

Von Ramona Koller