30.10.2019 00:00

Bergsteigen für die Sicherheit

Die Badmeisterinnen und Badmeister im Säntispark leisten viel mehr als Aufsicht im laufenden Betrieb. Tag für Tag untersuchen sie sämtliche Rutschen zu Fuss auf unebene Fugen. Dabei wird es zuweilen ganz schön eng und dunkel. Sportlichkeit und keine Angst vor dunklen, engen Räumen sind dabei ein Muss.

Säntispark Abtwil Auf der Bergstation des Rutschenturms im Säntispark ist es aussergewöhnlich still. Weder das gewohnte Rauschen des Wassers, das ist nämlich abgestellt, noch Musik erklingt eine Stunde bevor der «Berg», wie der Rutschenturm heisst, für die Badegäste öffnet. Auf dem Weg zur Bergstation ist um diese Zeit Vladan Rakic. Dorthin gelangt er allerdings nicht über die Treppe oder gar mit dem Lift, sondern durch eine der beiden Röhren der Reifenrutsche «Super G». «Das ist manchmal ganz schön anstrengend», erklärt er etwas ausser Atem, als er oben ankommt. Der Badmeister ist heute für die Kontrollen aller acht Rutschbahnen im Rutschenturm zuständig. Jeweils um 11 Uhr beginnt er mit seinem Rundgang, für den er gut eine Stunde benötigt. «Der Sturzflug ist die einzige Rutschbahn, die wir nicht am Stück begehen können - dazu ist sie zu steil», so Rakic. Mit einer Taschenlampe blickt er von oben in die Rutschbahn, auf der man innert kürzester Zeit 14,5 Meter nach unten saust.

Über 1000 Meter Rutschen

Auch in anderen Rutschbahnen gestaltet sich die Kontrolle teils schwierig. Die Körperrutsche «Wirbelwind» beispielsweise ist eng und auch ziemlich steil. «Als ich die Rutschen zum ersten Mal kontrolliert habe, hatte ich noch etwas Platzangst. Doch die ist jetzt weg», schmunzelt Rakic. Mit rutschfesten Schuhen und abgestelltem Wasser ist auch die Rutschgefahr gering. Ausgerutscht ist er noch nie. Konditionell wird er bei der Rutschenkontrolle ganz schön gefordert. Die Körper- und Reifenrutschen sind nämlich zwischen 70 und 155 Meter lang und weisen einen Höhenunterschied von bis zu 18 Meter auf. Insgesamt kontrolliert er so täglich 1000 Rutschenmeter. Dazu kommt, dass im Säntispark schwüle und warme Temperaturen herrschen, damit die nassen Badegäste nicht frieren. Wir begleiten Vladan auf eine der grösseren Rutschbahnen, den Eiskanal. Doch auch in der Rutsche, die für Dreierreifen ausgelegt ist, muss man gebückt gehen. «Das ist quasi ein Gratis-Fitnesstraining», sagt Racik und lacht, während er jede Fuge mit seiner Taschenlampe ableuchtet und mit den Fingern darüber streicht. Die Fugen sind mit Silikon versiegelt und man sieht deutlich, dass einige neuer sind als andere. «Wenn ich merke, dass eine uneben ist, melde ich das sofort. Bevor die Rutsche für die Gäste freigegeben wird, muss das behoben werden. Ansonsten könnte sich jemand verletzen», so Rakic. Reparaturen müssten allerdings nur selten vorgenommen werden. Jährlich werden die Rutschen auch durch den TÜV kontrolliert. Jeweils im Mai und Dezember wird ausserdem der gesamte Rutschenturm einer Grundreinigung unterzogen, bei welcher sich das professionelle Personal auch abseilen muss, um die Rutschen von aussen zu reinigen.

Viel Abwechslung

Mittlerweile sind wir die 180 Meter des Eiskanals abgelaufen und stehen wieder in der Bergstation des Rutschenturms. «Meine Lieblingsrutsche ist der Sturzflug», erzählt Rakic, «die gibt einem so einen schönen Adrenalinkick.» Der Sturzflug ist die einzige Rutsche, die von einem Badmeister bedient werden muss. Insgesamt beaufsichtigen jeweils vier Mitglieder des Badmeisterteams den Rutschenturm, die immer zur vollen Stunde rotieren. Auf jeder der drei Stationen, Berg-, Mittel- und Talstation, ist jeweils ein Bademeister zuständig. Die vierte Person sitzt im Kontrollraum beim Wildwassercanyon, der bereits seit 2009 für Rutschspass im Säntispark sorgt. Der Canyon ist die einzige grosse Rutschbahn, die während den Öffnungszeiten der Bäderwelt Säntispark durchgehend in Betrieb ist. Nun, fünf Minuten vor der Eröffnung, ist es an der Zeit, auch die acht Rutschen auf dem Rutschenturm, der im November dreijährig wird, mit Wasser zu füllen. Pünktlich um 12 Uhr beginnen auch die Lichtinstallationen zu leuchten und mit der Musik und dem Wasserrauschen ist die gewohnte Geräuschkulisse, die man vom Rutschenturm kennt, wieder komplett.

Von Ramona Koller