Bryan Schmucki bekam die Leidenschaft fürs Motocross fahren von seinem Vater Michael in die Wiege gelegt. tb
1/1 Bryan Schmucki bekam die Leidenschaft fürs Motocross fahren von seinem Vater Michael in die Wiege gelegt. tb
12.11.2019 05:00

Motocross als Familiensache

Der Herisauer Bryan Schmucki holte in einem rund 35 Fahrerfeld den vierten Platz in der Kategorie 85ccm des Schweizer Jugend Motocross-Clubs (SJMCC). Der 13-Jährige, der bereits mit drei Jahren Motorräder lenkte, hat sich für die kommende Saison hohe Ziele gesetzt. Erst einmal steht aber die Meisterschaftsfeier an, die Bryans Eltern organisieren müssen.

Motocross «Für mein erstes Jahr auf einer 85ccm Maschine bin ich mit meinem vierten Platz sehr zufrieden», erzählt Bryan. Die Umstellung auf das stärkere Motorrad sei ziemlich unproblematisch verlaufen. Entsprechend hoch ist Bryans Zielsetzung fürs kommende Jahr: «Dann möchte ich bis zuletzt um den Titel kämpfen.» Seine Begeisterung für das Motocross kommt nicht von ungefähr, ist doch auch Vater Michael von diesem Sport angefressen. «Der Sport verlangt einem bezüglich Konzentration und Kondition sehr viel ab. Bryan kam schon als Baby mit an die Rennen und fragte ständig, wann er endlich auf einen Töff sitzen dürfe», erinnert sich Michael Schmucki. «Wenn du ohne Stützräder Velo fahren kannst», lautete die Antwort des Vaters, worauf Bryan sofort forderte, die Stützen zu entfernen. «Er konnte es und so durfte er bereits als Dreijähriger erstmals ein Motorrad lenken», erzählt Schmucki. Die Begeisterung für den Sport, bei dem man mit dem Töff durch den Dreck und über Sprünge donnert, hat Bryan bis heute nicht verloren. «Angst habe ich eigentlich nie. Nur wenn ich einen Absprung nicht sauber erwische, spüre ich ein mulmiges Gefühl im Bauch», erzählt der Teenager und führt aus, wie man durch die Betätigung der Vorder- oder der Hinterbremse in der Luft das Gleichgewicht wieder findet. Doch ganz lassen sich Stürze in diesem Sport nicht verhindern und so hat sich Bryan auch schon den Arm oder drei Finger gebrochen, eine Gehirnerschütterung und zahlreiche Prellungen zugezogen.

Bibbern an der Strecke

Dass dieser Sport Gefahren birgt, ist auch Vater Michael Schmucki sehr wohl bewusst: «Wir bibbern jeweils schon, wenn Bryan seine Rennen bestreitet. Aber da ich selbst Motocross fahre, kann ich die Gefahren einschätzen. Meine Frau steht ebenfalls voll hinter dem Sport. Sie hat mich schon immer an die Rennen begleitet.» Die Sportart ist zur Familiensache geworden. An rund 15 Wochenenden im Jahr reisen die Schmuckis mit ihrem Wohnmobil an Motocross-Rennen. «Man kennt sich in der überschaubaren Szene und hat sehr viele Bekannte. Die Kinder verbringen gemeinsam Zeit», erzählt Schmucki. Auch die Tochter komme gerne mit, wobei sie als Geräteturnerin nun manchmal selbst im Einsatz stehe und deshalb nicht mehr an alle Rennen mitkommen könne. Dann fahren Vater und Sohn allein zu den Rennen oder in die Trainingslager, so wie zum Beispiel am letzten Wochenende. «In Norditalien gibt es gute Strecken wie Sand am Meer», erzählt Schmucki. Bei solchen Ausflügen komme auch der Spass nicht zu kurz. «Wir kennen uns mittlerweile in Norditalien sehr gut aus und wissen, wo es die besten Pizzas gibt», lacht er. Der Spass sei das Wichtigste, betonen Vater und Sohn unisono, auch wenn sie sehr wohl ehrgeizig seien. «Wir betreiben den Sport aus Freude. Es ist ein Hobby, wenn auch ein sehr zeitintensives», so der Vater.

Ein teurer Sport

Auch aus finanzieller Sicht lassen sich die Schmuckis ihr Hobby einiges kosten. «Dank einem guten Freund im Bekanntenkreis und der Aufnahme von Bryan ins Juniorenteam Zachmann bekommen wir sehr gute Preise für das benötigte Material. Aber es ist schon so: Allein ein Schutzstiefel kostet das Dreifache eines Fussballschuhs», lacht Michael Schmucki. Doch die Leidenschaft ist bei den Schmuckis ungebrochen und so setzt sich der Vater wenn immer möglich auf seine Maschine und bestreitet ebenfalls Rennen. «Motocross macht einfach enorm Spass. Aber die Priorität verschiebt sich schon immer mehr zu den Einsätzen von Bryan», erzählt Schmucki, der als Mechaniker seines Sohnes wirkt, diesen aber auch anlernt, was die richtige Wartung des Motorrads angeht. Eine zusätzliche Aufgabe hat sich Schmucki mit der Organisation der Meisterschaftsfeier vom kommenden Samstag aufgehalst. «Der SJMCC sucht immer Freiwillige, welche diese Aufgabe übernehmen. Vielleicht war ich etwas vorlaut, als ich sagte, so eine Meisterfeier zu organisieren sei doch kein Problem», lacht Schmucki. Deshalb treffen sich nun am kommenden Samstag insgesamt über 250 Personen, darunter rund 80 Fahrer, zur Feier in Schönengrund. Dort werden auch Preise an die Fahrer verteilt. Einer der Pokale geht an Bryan Schmucki; im nächsten Jahr soll es dann der grösste sein.

Von Tobias Baumann