Oberer Graben
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Christian Hasler.  we
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12.09.2019 19:00

«Ein erneuter Angriff auf die Autofahrer»

Die Stadt führt derzeit einen Verkehrsversuch am Oberen Graben durch. Es sollen die Auswirkungen einer einspurigen Führung des Autoverkehrs geprüft werden. Der Versuch missfällt jedoch einigen Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt.

Verkehr Am Oberen Graben gibt es zum Knoten Broderbrunnen zwei Fahrspuren für den Autoverkehr. Momentan führt die Stadt jedoch einen Verkehrsversuch durch, der die Auswirkungen einer Reduktion auf einen Fahrstreifen auf den Strassenverkehr prüfen soll. Ausgelöst wurde der Versuch deshalb, weil ein Sicherheitsdefizit bei den beiden vorhandenen Fussgängerstreifen besteht. Bei den Autofahrerinnen und Autofahrern sorgt der Versuch, der noch bis Ende September läuft, jedoch eher für Ärger.

Noch mehr Stau als bisher

«Ich rege mich wirklich auf. Wenn Feierabendverkehr ist, gibt es dort schon mit zwei Fahrspuren Stau. Mit dem Versuch verstopfen die Stadtplaner den Verkehrsfluss zusätzlich», meldet sich ein Leser bei den St.Galler Nachrichten. Es erstaune ihn nicht, dass es deshalb aktuell bis zum Einstein zurückstaue.

Für diese Aufregung hat Christian Hasler, Bereichsleiter Verkehr der Stadt und stellvertretender Stadtingenieur, kein Verständnis: «Unsere ersten Untersuchungen bestätigen keine markante Zunahme von Stau gegenüber dem Ursprungszustand. Auch wenn bis zum Schluss abgewartet werden muss, kann jetzt schon gesagt werden, dass die Stauentwicklung in einem vergleichbaren Rahmen stattfindet», sagt er. Wäre massiv mehr Rückstau festgestellt worden, hätte man den Versuch frühzeitig abgebrochen.

Weiter erklärt Hasler, dass genau zur genaueren Ermittlung der Folgen der Massnahmen ein solcher Versuch durchgeführt werde: «Es ist schliesslich ein Fakt, dass die ungesteuerten Fussgängerstreifen über zwei Spuren auf Höhe der Vadianstrasse nicht mehr der Norm entsprechen. Uns bleiben drei Möglichkeiten, diese Norm herzustellen.» Eine Mittelinsel zu bauen oder ein Lichtsignal aufzustellen, seien jedoch Massnahmen, die für grosses Unverständnis sorgen würden. «Deshalb haben wir uns für einen Versuch mit einer Reduktion auf einen Fahrstreifen entschieden.» Es sei jene Möglichkeit mit den verhältnismässigsten Mitteln.

Velostreifen möglich

Ein weiterer Leser äusserte gegenüber den St.Galler Nachrichten, dass die beiden Fussgängerstreifen nur ein Vorwand für die Spurenreduktion seien. «Geplant ist dort sicher ein Velostreifen gegen die Fahrtrichtung des Autoverkehrs. Wenn ich sehe, was die Velofahrer sich heute schon leisten, nervt das noch mehr», sagt er. Der Versuch sei somit ein erneuter Angriff auf die Autofahrer.

Einen Velostreifen schliesst Hasler durchaus nicht aus: «Wenn die Reduktion auf einen Fahrstreifen tatsächlich permanent werden sollte, müsste überlegt werden, was mit dem gewonnenen Platz gemacht werden soll», sagt er. Ob dies nun ein Velostreifen, eine Grünfläche oder eine verbesserte Gestaltung sei, könne erst nach der Auswertung des momentanen Versuchs diskutiert werden. «Klar ist, dass die Fussgänger durch die Spurenreduktion gewinnen. Der Versuch wird zeigen, ob der vermeintliche Verlust für die Autofahrer wirklich da ist.»

Von Ladina Maissen