17.11.2019 16:30

Erwartungen trafen ein

Im Gegensatz zum ersten Ständerats-Wahlgang gab es beim zweiten im Kanton St.Gallen keine Überraschungen. Überraschend ist höchstens die Klarheit des Wahlresultates, die eine Bestätigung der bisherigen Mandatsinhaber brachte.

Ständerat Beni Würth (CVP) erzielte mit rund 78‘000 die weitaus meisten Stimmen und konnte gegenüber dem ersten Wahlgang noch 8‘000 Stimmen zulegen. Besonders viele Zusatzstimmen hat also gerade er erzielen können, obwohl die Wahlbeteiligung nur noch bei 36,6 Prozent lag, fast zehn Prozent tiefer als beim ersten Wahlgang. Viele Stimmen, die im ersten Wahlgang an andere Kandidierenden gegangen sind, hat er also dank seines grossen Bekanntheitsgrads und seines Rufs als Brückenbauer für sich holen können.

Doch auch Paul Rechsteiner (SP)  schnitt mit rund 63‘000 Stimmen gut ab, obwohl er gegenüber dem ersten Wahlgang nicht noch zusätzliche Stimmen erhalten hat. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die wesentlich geringere Wahlbeteiligung das Bild verfälscht. Auch Rechsteiner hat im zweiten Wahlgang nicht wenige Stimmen aus anderen Lagern auf sich vereinigen können. Das „Sitzleder“-Argument der Gegner hat jedenfalls nicht verfangen, weil viel Erfahrung immer noch ein Vorteil ist und von der Wählerschaft auch gewürdigt wird. In der Stadt St.Gallen mit einem starken Linkslager erzielte Rechsteiner sogar mehr Stimmen als Würth.

Roland Rino Büchel (SVP) erzielte 46‘000 Stimmen, auch fast ebenso viele wie im ersten Wahlgang. Er darf dies als Anerkennung werten. Die FDP-Wählerschaft scheint aber der Parole ihrer Partei, ihn zu unterstützen, nicht gerade in hohem Ausmass Folge geleistet zu haben. Dabei wäre eine SVP-Vertretung im „Stöckli“ aufgrund der Stärke der Partei im Kanton sicher nicht abwegig. Für genügende Berücksichtigung bei Majorzwahlen muss die Partei noch hart kämpfen, aber auch taktisch geschickt agieren, dies schon bald bei den Wahlen in die Regierung. Es ist immer noch ein Problem der SVP, mit ihren Kandidierenden genügend Stimmen bei anderen Parteien zu angeln.

Erfreulich ist, dass im Kanton auch alle Bildungsvorlagen beziehungsweise Bauvorlagen für die Bildung deutlich angenommen worden sind. Es zeigt sich, dass die Bedeutung der Bildung anerkannt und unter den Regionen bei den Stimmberechtigten grosse Solidarität vorhanden ist. Dieses Resultat bringt eine markante Aufwertung des Bildungsstandortes Ostschweiz. Das fördert den wichtigen Zusammenhalt im „Kanton der Regionen“ und führt zu einer weitgehenden Gleichbehandlung. In der Kantonshauptstadt war es  den Stimmberechtigten auch klar, dass das Feuerwehr-Gebäude saniert werden muss. Die späte Opposition konnte nicht mehr viel erreichen.

Franz Welte