Urnen-Grabfeld im Friedhof Feldli. 
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1/2 Urnen-Grabfeld im Friedhof Feldli. we
Gräber von muslimischen Kindern im Friedhof Feldli.
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2/2 Gräber von muslimischen Kindern im Friedhof Feldli. we
13.08.2019 07:10

Gemeinschaft ist auch nach dem Tod gesucht

Die St.Galler Friedhöfe befinden sich im Wandel. Es gilt, der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung zu tragen. Insbesondere zeigte sich der Bedarf an zusätzlichen Gemeinschaftsanlagen, welche durch die Verwaltungsabteilung «Stadtgrün» geschaffen wurden und die vier städtischen Friedhöfe veränderten.

Bestattungskultur Bis vor einigen Jahren waren die St.Galler Friedhöfe geprägt durch die ehemals homogene Verteilung der Glaubenszugehörigkeit und die soziale Eingebundenheit in eine einzelne Gemeinschaft. Grabgrösse, Grabdenkmal und Anpflanzung haben sich lange Zeit am bereits Vorhandenen informiert. Einig die Bestattungsform wandelte sich. Erdbestattungen wurden durch Feuerbestattungen abgelöst, die mit einem Anteil von 92 Prozent heute die Regel bilden, wie dem neuesten Geschäftsbericht des Stadtrates entnommen werden kann. Die Stiftung Krematorium in St.Gallen führte gemäss ihrem Geschäftsbericht im letzten Jahr 4257 Kremationen durch. Diese Zahl belegt, dass das Krematorium im Feldli, das mit dem Neubau auch technisch auf dem modernsten Stand ist, auch für die Region tätig ist. Wiederum war im letzten Jahr ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Anfang Jahr stieg die Zahl der durchschnittlichen täglichen Kremationen von 17 auf 27, was von den Mitarbeitenden viel Flexibililität erforderte. Dank der Bereitschaft zu Überstunden konnte die Arbeit bewältigt werden.

Bestattungskultur im Wandel

Wie der Stadtrat in seinem Bericht weiter festhält, befindet sich die Bestattungskultur zunehmend im Wandel. Dabei ist eine zunehmende Loslösung von Traditionen und die Suche nach neuen Bestattungsarten und –formen erkennbar ist. Neben den klassischen Friedhöfen übernehmen heute auch private Bestattungsunternehmen die Durchführung von Bestattungsritualen. Die Asche wird den Hinterbliebenen überlassen. Es werden See-, Luft- Wald- oder Alpbestattungen durchgeführt. Festzustellen ist überdies eine Pluralisierung der Glaubensgemeinschaften, welche über eine jeweils eigene Bestattungskultur verfügen. Vor diesem Hintergrund erachtet es der Stadtrat als notwendig, die Friedhofplanungen den sich verändernden Bedürfnissen anzupassen und entsprechende Angebote zu schaffen. Beispiele dafür sind Gemeinschaftsgräber, individuelle Gemeinschaftsgräber mit Namensnennungen, Baumhaine, waldartige Flächen und Grabfelder für verschiedene Religionsgemeinschaften, wie seit fünf Jahren auch für Muslime, deren Gräber nach Mekka, das heisst nach Osten, ausgerichtet sind.

Ein Drittel in Gemeinschaftsgräbern

Im letzten Jahr sind in St.Gallen 598 Urnenbeisetzungen erfolgt, 132 in Gemeinschaftsgräbern mit Namensbezeichnung und 100 davon in solche ohne Namensbezeichnung. Ein Drittel der Asche von Verstorbenen wird heute somit in Gemeinschaftsgräbern beigesetzt. Die Zahl der Erdbestattungen ging in St.Gallen auch letztes Jahr zurück, nämlich auf 53.

Allein im Feldli gibt es fünf Gemeinschaftsgräber. Ein erstes entstand schon 1939 mit dem «Engel» von Wilhelm Meier, damals noch «Grab der Einsamen» genannt. Wie «St.Gallens Grüngeschichten» von Théo Buff mit einem ausführlichen geschichtlichen Beitrag zu den Friedhöfen weiter entnommen werden kann, folgten 1998 «Werden und Vergehen» von Hans Thomann und Paul Rutishauser, 2011 der «Lebensbaum» von Irene Thoma, «Vom Wind getragen» von Thomas Kuhn 2013 und ein weiterer «Engel» mit Schriftsockel von Michael Bauer 2014.      

Auch bauliche Anpassungen

Auch bauliche Anpassungen sind aufgrund der sich verändernden Bestattungsformen erforderlich. So wurden nach dem Bau des neuen Krematoriums im Feldli die Aufbewahrungsräume saniert sowie ein Raum für rituelle Waschungen und ein Begegnungsraum erstellt. Hier wird es nun möglich, Bestattungsrituale gemäss den Wünschen der Trauernden verschiedenster Religionsgemeinschaften durchzuführen.

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