Die Zahl der Meldungen über auffällige Hunde hat sich  in den letzten zehn Jahren verdoppelt.
Shutterstock
1/1 Die Zahl der Meldungen über auffällige Hunde hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Shutterstock
22.08.2019 06:15

Konsequente Ahndung von Tierschutz-Verstössen

Kanton und Stadt St.Gallen nehmen die Tierschutz-Vorschriften sehr ernst. Sie führen laufend Kontrollen aus und gehen Hinweisen nach. So kommt es nicht von ungefähr, dass das Veterinäramt,  die Staatsanwaltschaft mit einem auf Tiere spezialisierten Untersuchungsrichter und die Gerichte von der Organisation «Tier im Recht» immer wieder gelobt werden. Kaum Freude am konsequenten Vorgehen haben hingegen wenig pflichtbewusste Tierhalter…     

Veterinäramt Die Abteilung Tierschutz und auffällige Hunde im Veterinäramt des Kantons St.Gallen ist verantwortlich für den Vollzug der Eidgenössischen Tierschutzgesetzgebung und unterstützt die Gemeinden des Kantons im Vollzug der Hundegesetzgebung. Tierschutz-Kontrollen in den Bereichen Nutz-, Heim- und Wildtiere erfolgen nach zeitlichen und gesetzlichen Vorgaben (Grundkontrollen) und andererseits aufgrund entsprechender Meldungen von dritter Seite (risikobasierte Kontrollen). Jährlich gehen rund 350 bis 400 Meldungen von Personen und Institutionen ein, welche auf schlechte Tierhaltungen aufmerksam machen. Der gesamte Kontrollaufwand verteilt sich jeweils zur Hälfte auf landwirtschaftliche Nutztierbestände (rund 3600 Landwirtschaftsbetriebe) und auf privat gehaltene Tiere, wie Hunde, Katzen, Kaninchen, Vögel, wie dem neuen Geschäftsbericht des Amtes für Verbraucherschutz und Veterinärwesen (AVSG) zu entnehmen ist.

Im Kanton St.Gallen sind 29‘000 Hunde registriert. Vor zehn Jahren waren es noch 26‘300. In der Stadt St.Gallen sind 1800 Hunde gemeldet, was zu 230‘000 Franken Hundesteuereinnahmen führt. Bei der Tierschutz-Fachstelle der Stadtpolizei gehen jährlich über 400 Anzeigen und Meldungen ein, die zu bearbeiten sind.   

Immer mehr gefährliche Interventionen

Sowohl im Nutztierbereich als auch bei Heimtierhaltungen kommt es gemäss Veterinäramt immer wieder und vermehrt zu bedrohlichen Situationen, sodass die Tierschutzbeauftragten meistens zu zweit unterwegs sind oder in einzelnen Fällen gar Polizeikräfte zur Unterstützung vor Ort beziehen müssen. Die schwerwiegenden Tierschutzverstösse und die zunehmenden Wiederholungsfälle verursachen einen grossen zeitlichen und personellen Aufwand. Immer wieder kommt es auch zu aufwendigen Rechtsverfahren.

Arme Schweine

Für die Jahre 2017 bis 2019 hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV ein Schwerpunktprogramm «Tierschutzkontrollen in Schweinehaltungen» vorgesehen. Obwohl das Schwerpunktprogramm der Schweinebranche vorgängig bekannt gemacht wurde, stellte das Veterinäramt im letzten Jahr in 21 der insgesamt 33 kontrollierten Betriebe Mängel fest. Nur in 36 Prozent aller Betriebe wurden die Tiere vorschriftsgemäss gehalten. In fünf Fällen musste ausserdem wegen gravierender Verstösse eine Strafanzeige eingereicht werden. Hohe Beanstandungsquoten resultierten in den Bereichen «Unterbringung von kranken und verletzten Schweinen» (24 Prozent) sowie Beschäftigungsmöglichkeiten (51 Prozent). Immer noch nicht vollständig gewährleistet ist die permanente Trinkwasserversorgung. Dieser Punkt war bei zwölf Prozent der Betriebe verbesserungswürdig.

Die Beanstandungen beim Rindvieh beziehen sich auf mangelhaften Winterauslauf in Anbindungsställen. Ungenügende Sauberkeit sowie mangelnde Fellpflege sind weitere häufige Beanstandungspunkte. Bei den Schafen führt fehlender Witterungsschutz während extremer Wetterlagen im Sommer wie im Winter immer wieder zu Meldungen aus der Bevölkerung.

Illegaler Hundehandel

Viel Zeit in Anspruch nehmen im Veterinäramt Abklärungen zu illegalem Hundehandel und zur Überprüfung von privaten Pflegstellen von Organisationen. Viele Tierfreunde lassen sich darauf ein, als Pflegestelle für eine Handelsorganisation Hunde vorübergehend aufzunehmen, ohne sich über die Konsequenzen Gedanken zu machen. Viele Hunde aus dem Ausland, seien es Strassenhunde oder Hunde aus Tierheimen, sind nach den Erfahrungen des Veterinäramtes überfordert mit den Vorschriften, die unsere Gesellschaft und die neue Umgebung an sie stellen. Sie werden auffällig oder verursachen der Pflegestelle hohe Kosten.

Verdoppelung der Meldungen über auffällige Hunde 

Mit der Zunahme des Hundebestandes haben auch die Meldungen über auffällige Hunde zugenommen. Diese verdoppelten sich in den letzten zehn Jahren auf 400 pro Jahr. Gemäss den Bestimmungen der Tierschutzgesetzgebung müssen auffällige Hunde durch Ärzte, Tierärzte Tierheimverantwortliche, Hundeausbildnerinnen sowie Zollorgane dem Veterinäramt gemeldet werden. Bei den meisten Meldungen handelt es sich um Hunde, die einen Menschen gebissen haben. Knapp ein Drittel betreffen Bissverletzungen bei Tieren. Die eingehenden Meldungen werden den zuständigen Gemeinden weitergeleitet, die gemäss Hundegesetz für die Überprüfung des Sachverhalts und den Vollzug zuständig sind. In Absprache  erfolgt in rund einem Viertel der Fälle durch Fachexperten des Veterinäramtes eine Überprüfung am Wohnort. Immer wieder kommt es auch zu einer Verfügung zur Verpflichtung, eine Verhaltensabklärung vorzunehmen.

we