Kloster Notkersegg
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Drei der Schwestern, die heute auf der Pflegestation im Kloster wohnen.  rs
2/7 Drei der Schwestern, die heute auf der Pflegestation im Kloster wohnen. rs
Schwester Domenica bei der Feier ihrer ewigen Profess. z.V.g.
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14.08.2019 08:40

Leben im Kloster: früher und heute

Klöster gibt es seit dem Mittelalter. Mit dem Wandel der Zeit haben auch sie sich verändert. Die Schwestern der Notkersegg über der Stadt St.Gallen wissen, was die Unterschiede zu früher sind und haben viele Änderungen selbst miterlebt.

Kloster Nach fünf Jahren in der Schwesternschaft feiert eine Anwärterin im Kloster Notkersegg ihre ewige Profess. Damit stimmt sie zu, ihr restliches Leben als Kapuzinerin zu verbringen und legt die drei Gelübde Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam ab. Früher bedeutete dies ebenfalls, beinahe keinen Kontakt mehr mit den Verwandten zu haben. Schwester Rita ist seit 66 Jahren im Kloster über der Stadt St.Gallen. «Wir durften damals unsere Familie nur durch ein Eisengitter sehen», erinnert sie sich. Heute dürfen die Schwestern Bekannte und Verwandte auch persönlich begrüssen.

Das Kloster zu verlassen, ist auch üblicher als vor einigen Jahren. Die sieben Schwestern erledigen zum Beispiel die Einkäufe selbst oder besuchen Kurse mit anderen Klostermitgliedern. Der Kontakt mit Aussenstehenden war früher sogar so eingeschränkt, dass sich die Kapuzinerinnen bei öffentlichen Gottesdiensten nicht in die Kirchenbänke zu den Besuchern setzten. Sie sassen auf der Empore, welche durch Holzläden zusätzlich abgeschirmt wurde. «Wir sahen wenig vom Gottesdienst und da früher alle Worte lateinisch waren, verstanden wir auch nur wenig. Es war damals halt so und wir haben das akzeptiert», so Schwester Rita. Heute beten die Schwestern nur noch selten auf Lateinisch.

Ins Altersheim?

Die kranken und alten Mitschwestern wurden bis vor 19 Jahren von den Mitschwestern bis zum Tod gepflegt. Danach reichten die eigenen Ressourcen nicht mehr aus. Wenn eine Klosterschwester alt wurde und professionelle Pflege benötigte, musste sie ein Pflegeheim gehen. Der Abschied war für die Betroffene und die anderen Schwestern immer schwer. «Im Spital oder in einem Pflegeheim wird man mit dem bürgerlichen Namen angesprochen, was manche Schwestern nicht verstehen konnten. Zudem können Pflegerinnen und Pfleger nicht helfen, wenn es ums Stundengebet oder ähnliches geht. Das war für die Klosterschwester eine schwierige Umstellung», erzählt Schwester Domenica.

Genau um dieses Problem zu beheben, wurde 2017 eine Pflegegruppe im Kloster Notkersegg eröffnet. Die Station ist einem Altersheim angegliedert und wird von dessen Mitarbeitenden betreut. So können die Schwestern im Alter die nötige Pflege erhalten und dennoch am Klosterleben teilhaben.

Digitale Welt

Auch in einem Kloster fallen administrative Arbeiten an und diese kann man heute praktisch nur noch am Computer erledigen. So stehen in der Notkersegg heute zwei PCs, die vor allem von den jüngeren Schwestern genutzt werden. «Manchmal sind es E-Mails die wir beantworten oder Informationen, die wir an Zeitungen herausgeben. Auf unserer Website können Gebetsanliegen notiert werden, die wir dann natürlich auch lesen müssen», so Schwester Domenica.

Es gibt auch einen kleinen Aufenthaltsraum, in dem ein Fernseher steht. Dieser werde ab und zu eingeschaltet, wenn eine spannende Dokumentation laufe oder etwas über den Papst gezeigt werde.

Die Verlobte Gottes sein

Da sich in den letzten Jahren viele Regeln gelockert haben, fragt man sich nun, warum die Schwestern immer noch die traditionelle Kleidung, den Habit, tragen. Die einzelnen Teile haben eine wichtige Bedeutung, wie Schwester Domenica erklärt. Das Gewand selbst ist in T-Form geschneidert. Dieses stehe für das Tau, ein Kreuz, welches vom Ordensgründer Franziskus stammt. Der Strick stammt noch aus jener Zeit, in der ein Münzbeutel und eine Waffe am Gürtel befestigt wurden. Franziskanerinnen und Franziskaner leben in Armut, weshalb Geld nicht nötig ist. «Unsere Waffe ist der Rosenkranz, der am Strick hängt.» Der Strick selbst ist an drei Stellen geknüpft und diese Knoten sollen für die drei Gelübde stehen und die Ordensleute immer daran erinnern. «Ein Schleier steht dafür, dass eine Frau vergeben ist. So ist es auch bei traditionellen Trachten», erzählt Schwester Domenica. Oft sagt man, Schwestern oder Nonnen seien mit Gott verheiratet, was aber nicht ganz stimme. «Verheiratet wären wir erst, wenn wir mit Gott vereint sind, das heisst beim Tod oder wenn er auf die Erde käme. Bis dahin dürfen wir uns als Verlobte sehen.» Nebst den traditionellen Werten der Kleidung sei sie auch sehr praktisch.

Innere Freiheit erleben

Auch wenn es viele Regeln im Kloster gibt, welche nötig seien, wie Schwester Domenica sagt, fühlt sich keine der sieben Kapuzinerinnen der Notkersegg ihrer Freiheit beraubt. Schwester Rita, die auch die strengeren, anscheinend züchtigeren Zeiten hier erlebt hat, hat sich nie eingesperrt gefühlt. «Auch wenn wir früher nicht oft raus gehen oder unsere Familien nur durch ein Eisentor sehen durften, war es für mich immer so, dass die «draussen» eingesperrt sind, denn ich durfte und darf eine innere Freiheit erleben.»

Von Rebecca Schmid