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Urban, Hettich, Leiter Forst und Liegenschaften der Ortsbürgergemeinde St.Gallen
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Durch die Neubepflanzung ist der Wald zukünftig vielfältiger.
3/3 Durch die Neubepflanzung ist der Wald zukünftig vielfältiger.
12.11.2019 07:00

Zukunftsfähige Baumarten gegen den Klimawandel pflanzen

Die Folgen des Klimawandels machen sich auch auf dem St.Galler Waldgebiet erkenntlich. Sturm- und Erosionsschäden haben beispielsweise dem Wald unterhalb der Waldegg stark zugesetzt. Die Ortsbürgergemeinde St.Gallen sieht sich in der Pflicht, Massnahmen zu treffen. Mittels Pflanzung zukunftsfähiger Baumarten wird langfristig eine Naturverjüngung angestrebt.

Natur Von weitem sind sie im dichten Nebel im Wald unterhalb der Waldegg kaum zu erkennen: Die Angestellten der St.Galler Niederlassung des deutschen Familien- und Versicherungsunternehmens Funk. Zusammen mit ihrem Chef Marc Guion pflanzen sie auf rund 1'400 Quadratmetern Fläche 620 neue Bäume. Anlässlich ihres 140-jährigen Bestehens hat sich die Funk-Gruppe dazu bereit erklärt, die Kosten in der Höhe von 15'000 Franken für die Neubepflanzung und die Pflege der Bäume in den ersten fünf Jahren zu finanzieren.

Prinzip Verjüngung

Solche Investitionen sind dringend notwendig. Denn der Klimawandel setzt auch den St.Galler Wäldern zu. Gemäss aktuellen Erkenntnissen wird die Fichte, die Hauptbaumart in den Wäldern im grünen Ring, durch trockene Sommer und den Borkenkäfer massiv unter Druck kommen. «Deshalb ist es wichtig, schon jetzt Jungwüchse mit zukunftsfähigen Baumarten anzulegen», erklärt Urban Hettich, Leiter Forst und

Liegenschaften der Ortsbürgergemeinde St.Gallen. Diese Bäume sollen in einigen Jahrzehnten als Samenbäume dienen, um zukunftsfähige Arten natürlich zu verjüngen. Deshalb hat man für die Bepflanzung unterhalb der Waldegg lediglich Baumarten verwendet, die zukünftig an diesem Standort gedeihen sollen. Wo früher also Fichten und Weisstannen standen, wurden nun Lärchen, Winterlinden, Schwarzerlen, Vogelkirschen und Vogelbeeren sowie Pfaffenhütchen und Schwarzdorn angepflanzt. «Soweit dies nötig ist, schützen wir sie durch Zäune und Einzelschutz vor Wildverbiss.»

In 100 Jahren keine Fichten und Rottannen mehr

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Fichtenwälder früher oft am Stück aufgeforstet und dann mit ihrem Wachstum der Bäume systematisch genutzt wurden. Solche vom Menschen angelegte Monokulturen werden heute nicht mehr als die richtige Vorgehensweise angesehen. «Mit der jetzigen Vorgehensweise streben wir eine Naturverjüngung mit Pflanzenarten an, die trotz Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten in unseren Höhenlagen wachsen werden», so Hettich. Denn die Zukunft für die Fichte und die Rottanne in den St.Galler Wäldern sieht eher düster aus. «Es ist davon auszugehen, dass sie in den kommenden 70-100 Jahren verschwinden. Und dies ist sogar noch eine konservative Schätzung, es könnte allenfalls noch früher der Fall sein.»

Von Ladina Maissen